Samstag, 22.04.2017

Kants Ehrentag - der 22. April

Auf den heutigen Tag freuten wir uns wohl alle mit am meisten- Kants Geburtstag, der sich nun zum 293. Mal jährt und mit dem berühmten Bohnenmal am Abend gebührend gefeiert wurde.
Der Tag begann allerdings erst einmal mit einem individuellen Programm. Die einen ruhten sich aus oder vertieften durch einen weiteren Stadtrundgang ihre Kenntnisse über Königsberg, die anderen machten sich auf den Weg nach Cranz, wo uns die Sonne begrüßte allerdings gepaart mit einer steifen Ostseebrise. Auf vielen Abbildungen, die am Straßenrand zu sehen waren wurde deutlich was Cranz für eine schöne Stadt gewesen sein muss. Davon ist leider nur noch teilweise etwas zu sehen ist, wie z. B. die nun orthodoxe Kirche, der alteWasserturm oder das Denkmal für Königin Luise.
Anschließend machten wir uns zu einem weiteren Höhepunkt auf den Weg, der für mich persönlich sehr wichtig war, die Eröffnung der Dauerausstellung im Dom über die Gebrüder von Schrötter. Sowohl Friedrich Leopold wie Carl Wilhelm Freiherr von Schrötter waren wie ihr Vater enge Freunde Kants. Dieser besuchte nicht nur deren Tischgesellschaften in Königsberg, sondern war auch immer wieder Gast in deren Anwesen in Wohnsdorf mit der Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert. Diese Reisen in das ca. 60 km von Königsberg entfernte Wohnsdorf sind insofern bemerkenswert, da Kant bekanntermaßen Königsberg kaum verließ. Mein Vater Dr. Dieter Freiherr von Schrötter zeigte in seiner Rede welche zentrale Rolle die beiden Brüder bei der Einführung wie Durchsetzung der preußischen Reformpolitik waren. Den von Kant formulierten Wahlspruch der Aufklärung „ Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstands zu bedienen“. Sowie die Ansichten Kants zur Gewaltenteilung und seine Ablehnung der Erbuntertänigkeit setzten sie u.a. bei der klaren Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung, bei der Aufhebung der Leibeigenschaft und der Einführung der Gewerbefreiheit in die Tat um.
Zwar nicht den 293., aber schon den 85. Geburtstag konnte als somit ältestes Mitglied unserer Fahrt ebenfalls eine weitere Königsbergerin feiern, Frau Moskal, die uns immer wieder durch ihre sehr lebendigen Erinnerungen das Leben im alten Königsberg, aber auch die Flucht mit all ihren schlimmen Seiten nähergebracht hat.
Nach einem interessanten Vortrag über Kant von Professor Dr. Stolzenberg aus Halle- Wittenberg machten wir uns zu Kants Grabmal auf, wo nach kurzen Ansprachen russischer- wie deutscherseits ( Gerfried Horst) die feierliche Blumenniederlegung stattfand.

Der Abend endete mit dem traditionellen Bohnenmahl, das Kants enger Freund Dr. William Motherby ein Jahr nach Kants Tod ins Leben gerufen hatte. Vor dem trefflichen Essen stimmte ein Duo mit schönen Musikstücken in Kants Zeit ein. Vor und nach der Bohnenrede erinnerten die Vorstandsmitglieder Swetlana Kolbanjowa, die den ganzen Abend organisiert hatte, die direkte Nachfahrin William Motherbys Marianne Motherby sowie Gerfried Horst, an den Sinn des Bohnenessens, die Pflege der Freundschaft in Erinnerung an Kant. Begrüßt wurden die Gäste des Bohnenessens außerdem von Generalkonsul Dr. Banzhaf. Höhepunkt des Bohnenessens bildete dann die Bohnenrede, die in Vertretung der Bohnenkönigin Frau Gommert, die aus übergeordneten Gründen an der Kant-Reise leider nicht teilnehmen konnte, Herr Thomas Wernicke vom Haus Brandenburgisch-Preußische Geschichte vortrug. Die Bohnenrede stellte den zweiten großen preußischen Vertreter der Aufklärung Moses Mendelssohn in den Mittelpunkt und zeigte beispielhaft dessen intellektuelle wie gesellschaftliche Stellung in Berlin bzw. Potsdam.. Deutlich wurde dadurch Kants Feststellung, dass das Zeitalter der Aufklärung keineswegs ein aufgeklärtes Zeitalter war.

Am Ende des Essens war man gespannt, wer im Nachtisch, einem Kuchen, die Bohne finden und damit zum Bohnenkönig bzw. zur Bohnenkönigin gekürt werden würde. Diejenige, die die Bohne fand, fühlte sich der neuen Würde anscheinend nicht ganz gewachsen und trat deshalb das Amt der Bohnenkönigin an die Malerin Nelly Smirnjagina ab, deren Gemäldeausstellung "Die Stadt, Kant und mein Zeitgenosse" am Nachmittag des gleichen Tages im Dommuseum eröffnet worden war. Damit ist sicherlich gewährleistet, dass die nächste Bohnenrede 2018 einen neuen künstlerischen Aspekt zum Thema haben wird."

Vera von Schrötter, 22. April 2017